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Kurzporträt: Rosemarie Fret

IN EINER FOTOGRAFENFAMILIE geboren zu werden, heißt, schon früh mit dem Auge Dreiäugleins vertraut zu sein. Ich erlernte diesen Beruf in der dritten Generation. Jedoch anders als damals zu ihrer Zeit hatte ich in der meinen reaktionsschnell zu sein, ja, oft sogar aggressiv, Eigenschaften, die ich – wie mir bald bewusst wurde – nicht besaß. Während ich noch ungläubig staunend verharrte, hielten andere schon die Kamera vor das Auge, und ihr motorisches Schnellfeuer war unüberhörbar. Ich bewunderte so manches dieser Bilder, aber mir hätte sich in diesem Moment mit dem Klicken meiner Kamera wie mit dem Schnippschnapp einer Schere ein Lebensfaden durchschnitten, der mich auf unerklärliche Weise mit dem Geschehen verband. So fing ich zu schreiben an.

Aus: Rosemarie Fret: Mit bloßen Augen. Romanstücke. Halle (Saale) 2010. Mit freundlicher Genehmigung von Rosemarie Fret

Rosemarie Fret wurde 1935 „in einer Fotografenfamilie in Anklam geboren“[1]Rosemarie Fret: E-Mail an Marianne Jacob, Januar 2023.. Sie besuchte dort und auf Usedom die Grundschule, später in Nauen die Oberschule. An ihre Berufsausbildung als Fotografin in Rostock schloss sich ihr Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig an. Ab 1965 studierte sie im Direktstudium am Institut für Literatur Johannes R. Becher Lyrik bei Georg Maurer sowie Prosa bei Werner Bräunig.[2]Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Später absolvierte die Diplom-Fotografikerin außerdem dort zwei Sonderkurse. Zu ihren Kommiliton:innen gehörten Helga M. Novak, Andreas Reimann, Dieter Mucke, Karin Raischis, Horst Semmler und Maria Wille.

Rosemarie Fret 1990. Foto von Klaus Morgenstern. Quelle: SLUB / Deutsche Fotothek

Rosemarie Fret arbeitet seit 1961 freiberuflich „in beiden Berufen, wobei […] die Fotografie das Schreiben finanziell ermöglichte“[3]Rosemarie Fret: E-Mail an Marianne Jacob, Januar 2023. . Fret leitete einen Zirkel für schreibende Pioniere, für Erwachsene sowie für Hör- und Sehbehinderte und erhielt für ihre Arbeit die Medaille für künstlerisches Volksschaffen.[4]Fragebogenauskunft an Marianne Jacob. Sie ist seit 1962 Mitglied im Verband bildender Künstler VBK sowie ab 1981 Vorstandsmitglied im Schriftstellerverband in Leipzig[5]Ebd.. Zu ihren literarischen Vorbildern gehören u.a. Juri Kasakow, Marie Luise Kaschnitz und Peter Handke. Fret veröffentlichte in der DDR zwei Erzählungsbände, seit 1990 Erzählungen, Kinderbücher und Roman-Stücke. Ihre Text-Bildbände werfen den Blick auf den Auwald, die Landschaft des Muldentals und die alten Friedhöfe Leipzigs sowie auf die Insel Usedom. Fret hat zwei Kinder. Gemeinsam mit Jusche Fret publizierte sie zwei Kinderbücher[6]Rosemarie Fret / Jusche Fret: Die Amme im Froschteich, Halle 2009; Dies.: Loisl, Halle 2010.. Abgeschlossen, aber noch ungedruckt sind ihre „Geschichten vom Meer und anderen Untiefen: Sieh da! Ein Fisch!“[7]Rosemarie Fret: E-Mail an Marianne Jacob, Januar 2023. .

Autorin: Marianne Jacob


References

References
1 Rosemarie Fret: E-Mail an Marianne Jacob, Januar 2023.
2 Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
3 Rosemarie Fret: E-Mail an Marianne Jacob, Januar 2023.
4 Fragebogenauskunft an Marianne Jacob.
5 Ebd.
6 Rosemarie Fret / Jusche Fret: Die Amme im Froschteich, Halle 2009; Dies.: Loisl, Halle 2010.
7 Rosemarie Fret: E-Mail an Marianne Jacob, Januar 2023.