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Kurzporträt: Norbert Marohn

Seit den 1980er Jahren wurde der Autor Norbert Marohn mit seinen Veröffentlichungen von Prosa, Hörspielen sowie Gedichten, Essays, Buch- und Theaterkritiken in Zeitschriften und Zeitungen bekannt. Besonders hervorzuheben sind seine zahlreichen öffentlich wirksamen Rundfunk-Dokumentationen, -Biografien und -Features, u.a. über den „Röhm-Putsch“, zu Anna Seghers, Ludwig Renn und Gunter Preuß.[1]Norbert Marohn: E-Mail an Marianne Jacob, 20.12.2021.

Mit freundlicher Genehmigung von Norbert Marohn

Marohn, Sohn einer Bauernfamilie (der Vater war später LPG-Vorsitzender), wurde in Neuruppin geboren, legte sein Abitur an der Erweiterten Oberschule in Zehdenick ab[2]Norbert Marohn: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob und studierte von 1970 bis 1975 am Institut für Internationale Beziehungen in Potsdam-Babelsberg. Danach ist er ein Jahr lang im Außenministerium der DDR beschäftigt gewesen. Vor seinem Studium am Literaturinstitut Johannes R. Becher (1982 bis 1985) war er Betriebszeitungsredakteur im VEB Leipziger Wälzlagerwerk.

Ulrich Kiehl, Mario Göpfert, Sabine Strohschneider und Knuth Wolfgramm gehörten u.a. zu den Kommilitonen. Seit 1986 ist Marohn freiberuflich als Schriftsteller tätig. Mentor und Förderer bei seiner Entwicklung zum Autor war Gunter Preuß.[3]Ebd. Marohn konnte als Leiter des Zirkels Schreibender Arbeiter im Kulturhaus der Eisenbahner in Leipzig[4]Ebd. literarische Erfahrungen und Kenntnisse einbringen. Seine literarische Vorbilder, „nicht zum Nacheifern, sondern als Qualitätsmaßstab“[5]Ebd., sind Georg Trakl, Rainer Maria Rilke, Else Lasker-Schüler, Knut Hamsun, Anna Seghers und Heiner Müller.

„Mit der Kameradschaftlichkeit war mit einem Schlag Schluss“[6]Norbert Marohn: Mit der Kameradschaftlichkeit war mir einem Schlag Schluss. Online-Beitrag: MDR, 11. Sepember 2013. Abrufbar unter: … Continue reading – mit diesen Worten beschreibt Marohn die Folgen der Wende in seinem ehemaligen Betrieb, dem Wälzlagerwerk Leipzig und fragt: „Wie lebten Menschen in einem Volkseigenen Betrieb? Wie erlebten sie das Ende der DDR in ihrem Betrieb und wie änderte sich die Arbeit für sie in den Jahren danach?“[7]Ebd. Am Beispiel des VEB Wälzlagerwerk Leipzig, das unter den Arbeitern „Kullerbude“ genannt wird, zieht er einen Bogen von Zusammengehörigkeit und Tradition zu Konkurrenzkampf und Marktwirtschaft. Das gut verkaufte und positiv rezensierte Buch erschien 2011 unter dem Titel: „Zum Beispiel Kullerbude: Vom VEB Wälzlagerwerk Leipzig zum Konzern – zum Konkurs – zur GmbH“.[8]Norbert Marohn: Zum Beispiel Kullerbude: Vom VEB Wälzlagerwerk Leipzig zum Konzern – zum Konkurs – zur GmbH. Leipzig 2011. Die Fabrik, nach 1945 ein Musterbeispiel für die industrielle Entwicklung im Osten Deutschlands, wurde in der DDR zum VEB umgewandelt und arbeitete hier erfolgreich, auch für den Export. Nach der Wende wurde es als eines der größten DDR-Unternehmen von der Treuhand verkauft. Kurze Zeit nach der Übernahme erfolgte der Konkurs. Engagierte Mitarbeiter gründeten daraufhin eine kleine GmbH, die bis heute weiterarbeitet. Zu Wort kommen in diesem Buch 70 Beteiligte, die authentisch die schwierige Zeit, Ängste und Hoffnungen und einen Teil der deutsch-deutschen Geschichte kritisch reflektieren.

Foto: Florian Jacob. Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Sven Lychatz; Lychatz Verlag.

Autorin: Marianne Jacob

References

References
1 Norbert Marohn: E-Mail an Marianne Jacob, 20.12.2021.
2 Norbert Marohn: Fragebogenauskunft an Marianne Jacob
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Ebd.
6 Norbert Marohn: Mit der Kameradschaftlichkeit war mir einem Schlag Schluss. Online-Beitrag: MDR, 11. Sepember 2013. Abrufbar unter: https://www.mdr.de/geschichte/ddr/alltag/arbeitswelt-in-der-ddr-veb-kullerbude-100.html. Letzter Zugriff am 19.3.22.
7 Ebd.
8 Norbert Marohn: Zum Beispiel Kullerbude: Vom VEB Wälzlagerwerk Leipzig zum Konzern – zum Konkurs – zur GmbH. Leipzig 2011.